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ZWEIMONATLICH

Jahr 52

OFFIZIELLES ORGAN DES
DIVINE LIGHT ZENTRUMS
8400 WINTERTHUR SCHWEIZ



Juli/August 2018

  

INHALT

Texte aus Ansprachen und Gesprächen von

 

aus verschiedenen Quellen:

Wir müssen nach oben streben und alles abstreifen, was anders ist als Gott, bis wir in der Einsamkeit unser selbst die Quelle des Lebens gewahren: Sein-Bewusstsein.

Plotinus


Für Leute wie dich und mich ist es ein Problem, einerseits weltliche Klugheit anzuwenden und andererseits das Licht des Unendlichen, Ewigen in der Intelligenz, in Herz und Willen regieren zu lassen, den Mut aufzubringen, der aus dem inneren Gewahrsein des Allgegenwärtigen, Allmächtigen geboren wird; die Gewissheit, dass nichts dich umbringen und begrenzen kann, dass nichts deinen Glückszustand – dein ewig glückseliges Sein – angreifen und zerstören kann.

Sei dir der Tatsache sicher, dass der allbarmherzige, allmächtige Gott dich von allen Seiten beschützt und dich auf dem Pfad der Entwicklung mit seiner Weisheit und Liebe leitet.

Swami Omkarananda

Swami


Om asato ma sat gamaya

OM

asato ma sat gamaya

tamaso ma jyotir gamaya

mrityor ma amritam gamaya

OM shantih shanti shantih

OM

Was bedeutet dieses Mantra?

asato ma sat gamaya

Von der Unwirklichkeit führe uns zur Wirklichkeit.

tamaso ma jyotir gamaya

Von der Dunkelheit führe uns zum Licht.

(Mit Dunkelheit ist hier die Unkenntnis unseres göttlichen Ursprungs gemeint.)

mrityor ma amritam gamaya

Vom Tode führe uns zur

Unsterblichkeit.

Diese Bitte ist gleichbedeutend mit dem Anruf an Gott, uns zu erleuchten.

Jeder Geborene muss auch sterben. Doch sollte er einen unsterblichen Tod sterben, das heißt, er sollte für immer und in alle Ewigkeit leben wie die großen Götter. Sie alle leben auch heute und hier mit uns.

OM shantih shantih shantih Möge überall Frieden sein!

Dieser dreimalige Anruf bedeutet:

1. Frieden für die materielle Ebene, die Erde;

2. Frieden für die moralische Ebene, auf der Rechtschaffenheit und richtiges Verhalten herrschen sollten, also die richtige Art und Weise zu leben.

3. Frieden für die spirituelle Ebene.

Wie alle Mantras beginnt und endet auch dieses Mantra mit OM.

Was bedeutet dieses Gebet für uns? – Wenn du nach einer schlaflosen Nacht zu Gott sagst: „O Gott, führe mich aus dieser schwierigen Lage zum zeitlosen, raumlosen Frieden, zur zeitlosen, raumlosen Freude!“, dann solltest du dich fragen, wo dieser Friede und diese Freude zu finden sind. Die Antwort ist: Sie sind in dir selbst!

Wenn du also so betest und weißt, dass die Erfüllung in dir selbst liegt, dann wird dein Gemüt allmählich gelassen und ruhig werden. Plötzlich fühlst du dich vollkommen im Schoß der zeitlosen Freude und Stille geborgen.

Aus dieser Welt des Sterbens soll unser Bewusstsein hineinsinken in die Welt der Unsterblichkeit hier und jetzt, denn diese Unsterblichkeit ist charakteristisch für unsere innere Seele.

Gott erschafft nicht extra für dich Unsterblichkeit und schenkt sie dir! Er erleuchtet einfach nur deine Intelligenz, damit du sehen kannst, dass du Gottes Unsterblichkeit, Gottes Reich, Gottes Schönheit, Gottes Leben, Gottes Licht, Gottes Freude und Gottes Wahrheit schon in dir trägst.

Und das alles kannst du hier und jetzt erfahren. Es ist dein Wesen; das sollst du nie vergessen! Sage niemals: „Ich sterbe!“ oder „Jemand ist gestorben.“ Niemand stirbt! Alle sind im Schoß der Unsterblichkeit des Göttlichen geborgen.

Empfinde niemals Angst vor dem Tod! – Es gibt keinen Tod; der Tod ist eine Illusion. Zu behaupten, es gäbe einen Tod, ist eine Unwahrheit, eine Finsternis, eine große Dummheit.

Halte dich an das Licht Gottes, und du wirst selbst sehen, dass alle Illusionen und Unwahrheiten verschwinden werden!

Gottes Licht, Gottes Gegenwart, Gottes Weisheit, Gottes Leben – das ist die Wahrheit.


Die Frage nach dem Wirklichen

Was ist die Ursache des Universums? – Ist es die Wahrheit, das Absolute?

Woher kommen wir? Warum leben wir? Wo werden wir schließlich Ruhe finden? Durch wessen Befehl sind wir an das Gesetz von Ursache und Wirkung gebunden? –Zeit, Raum, Gesetz, Zufall, Materie, Ur-Energie – nichts von all dem, noch eine Kombination aus all diesen kann die letzte Ursache des Universums sein, denn sie sind ihrerseits auch Wirkungen und existieren, um der Seele zu dienen.

Auch das individuelle Selbst, das Ego, kann nicht die Ursache sein, weil es dem Gesetz von Glück und Unglück, von Ursache und Wirkung unterliegt und deshalb nicht frei ist.

Die in Kontemplation vertieften Seher sahen in sich selbst die letzte Wirklichkeit, das aus sich selbst leuchtende Sein, den einen Gott, der als die sich selbst erkennende Kraft in allen Geschöpfen wohnt.

Tief in allen Wesen wohnt Er, der Sicht entzogen durch den Schleier der drei Eigenschaften Sattwa, Rajas und Tamas. Er herrscht über Zeit, Raum und alle scheinbaren Ursachen. Er ist die absolute Ursache. Er hat alles hervorgebracht.

Dieses weite Universum ist ein Rad. Auf ihm befinden sich alle Geschöpfe, die der Geburt, dem Tod und der Wiedergeburt unterworfen sind. Es dreht sich immer weiter und hält nie an. Man nennt es Samsara.

Solange das individuelle Selbst sich für getrennt von der Wahrheit, die Gott ist, hält, bleibt es an das Rad von Geburt, Tod und Wiedergeburt gebunden.

Wenn es aber durch die Gnade Gottes seine Identität mit Ihm erkennt, ist es befreit und unsterblich.

Gott ist die Wirklichkeit

der Wirklichkeiten

Das, was du nicht siehst, ist tatsächlich die Wirklichkeit der Wirklichkeiten.

Du kannst Liebe nicht sehen, aber die Liebe ist da, sie existiert. Du siehst die Luft nicht, aber du kannst sie spüren, wenn du ein- und ausatmest oder wenn der Wind weht.

Du kannst die Existenz der Luft auf hunderterlei Arten beweisen.

Das Unsichtbare – also Gott – ist das wirklichste Ding, wirklicher als der solide Tisch, an dem du sitzt. Du siehst Gott nicht, aber Er ist hier bei dir. Er ist in meiner Rede gegenwärtig. Er ist in deinem Verstehen anwesend. Er befindet sich mitten in deinen Lebensumständen. Er ist da in deinen neuen Ideen. Er ist Träger und Lieferant all deiner Energien.

Wenn Gott zu dir sagt: „Ich bin bei dir“, dann heißt das:

„Du, der du manifestiert bist und eine Form hast, bist im Geist, im Leben, in deinem Glück, deinem Frieden und deiner Freiheit begrenzt. Aber fürchte dich nicht, Ich bin bei dir! Weil Ich bei dir bin, kannst du unbegrenzte Kraft, unbegrenzte Liebe, absolute Schönheit, grenzenlosen Frieden und ewiges Leben haben.

Erfahre Mich, nutze die Gaben, die Ich dir mitgegeben habe! Nutze Mich, wie du die unsichtbare Luft nutzt, die du ein- und ausatmest, um dein Leben zu erhalten. Nutze Mich, denke an Mich, reflektiere, meditiere, sei weise, sei selbstbeherrscht!

Die Sinne führen dich nur in die Irre; sie machen deinen Geist stumpf! Sei klug, und lass deine Intelligenz wach sein! Übe Unterscheidung und subtile Wahrnehmung! Sieh die Dinge und Menschen mit klarem Auge!

Du bist ein Seher, nicht ein Stein, nicht ein Fisch, keine Kuh oder ein Baum! Du bist ein Seher, ein Poet, eine kreative Persönlichkeit. Meine Kraft ist in dir.

Du bist ein Zentrum meiner Vollkommenheiten. Du bist meine Kathedrale.

Dein Herz, in dem die Liebe pocht, dein Geist, in dem Weisheit wohnt – sie sind mein Allerheiligstes, in dem Ich gegenwärtig bin. Du bist mein lebendiger Tempel. Ich lebe in dir. Ich bin immer bei dir.

Anstatt Mich zu erfahren, hast du dich in kleinen, unwichtigen Dingen verloren. Du bist so sehr von der Wahrnehmung der vielen, dich umgebenden Dinge gefangen genommen, dass du Mich vergessen hast und nicht einmal mehr wirklich glaubst, dass Ich existiere. Du hast aus Mir eine abstrakte Theorie gemacht, eine blutleere Theologie, eine bloße, nebelhafte Hypothese. Doch Ich bin immer bei dir.

Jene, die Frieden im Herzen gefunden haben, sehen mich, erfahren mich. Jene, die weise und intelligent sind, die ein leuchtendes Bewusstsein haben, erfahren mich, sehen mich, fühlen mich.

Jene, die in Lärm und Sinnesaktivitäten verstrickt sind, wissen nichts von mir; sie leiden, sind unglücklich, abgeschnitten von der unendlichen Kraft, dem unendlichen Frieden, der unendlichen Weisheit.

Sieh dir die Weisen und Heiligen an, die Menschen des Gottbewusstseins! Was tun sie? – Ihr Herz ist beständig mit der unendlichen Liebe vereint, mit meiner Liebe. Meine Liebe ist unendliche Liebe. Das ist mein Schatz, und dieser Schatz gehört dir!“

Nur Menschen, die fähig sind, die Wirklichkeit zu sehen, die Gott erfahren, besitzen wirkliche Intelligenz. Sie sind erfüllt vom Bewusstsein Gottes. Sie haben, was Gott hat. Und was hat Gott? – Unbegrenzten Frieden zu jeder Zeit, an allen Orten, unter allen Umständen – bedingungslosen Frieden.

Und diesen Frieden haben jene, die sich Gott ausliefern, die Gott erfahren und deshalb wahre Kinder Gottes sind.

Gewöhnliche menschliche Individuen sind nur dem Namen nach Gottes Kinder, aber nicht ihrer Erfahrung, ihren Gefühlen, ihrem Verhalten nach.

Nur in Gott kannst du

Frieden und Glück finden

Das ganze Universum ist eine grandiose Schule, und jede Minute haben wir eine Prüfung, einen Test zu bestehen. Wir müssen uns fortlaufend entwickeln, immer und immer wieder Herausforderungen bestehen, Hindernisse überwinden, erleuchtet werden und zu einer kreativen Kraft Gottes heranwachsen.

Du trägst all die Vollkommenheiten Gottes in dir. Wenn du nichts von diesen Vollkommenheiten weißt, ist das ein ernster Fehler, ein großer Verlust, eine unglückliche Situation. Wie kannst du dich aus dieser elenden Lage befreien?

Stimme dich aufs Göttliche ein. Denke beständig über das Göttliche nach. Lass deine Vernunft und Intelligenz leuchtend werden. Sei ein Denker, ein Fragender, ein Sucher, ein Seher, ein Verstehender, ein Erleuchteter.

Wachse in der Liebe!

Je mehr du Liebe zum Ausdruck bringst, desto mehr wird die Liebe in dir zunehmen, bis sie schließlich unendlich und grenzenlos geworden ist.

Liebe alle, Freund und Feind, wie eine Mutter alle ihre Kinder liebt. Sie mag die Kinder verschieden behandeln, je nach dem, wie es gut für sie ist; aber auch wenn sie einem kranken Kind eine bittere Medizin verabreichen muss, heißt das nicht, dass sie es weniger liebt als die anderen, die sie mit Süßigkeiten füttert. Jeder Mensch verdient eine andere Behandlung, je nach seinem Zustand.

Ein Weiser verhält sich jedem Menschen gegenüber anders. Zu einem ist er vielleicht grob und weist ihn scharf zurecht, zum andern ist er liebevoll und hat nur Lob für ihn übrig. Das heißt aber nicht, dass er den einen mehr liebt als den anderen! Innerlich ist da nichts als unbegrenzte Liebe.

Die grenzenlose Liebe Gottes ist in dir!

Reichtum allein macht nicht glücklich, obwohl Geld und Besitz in dieser Welt notwendig sind. Du kannst nicht aufgrund deiner Jugend oder Körperkraft glücklich werden, auch wenn diese ihre Vorteile haben.

Du kannst auch nicht glücklich werden dadurch, dass du einen Nobelpreis gewinnst, auch wenn dir dieser Preis einen zeitweiligen Gewinn einbringt und dir viel nützen mag. Vom Standpunkt des Unendlichen aus gesehen sind der Nobelpreis, der materielle Reichtum und deine jugendliche Kraft gleicherweise nutzlos. Was du wissen solltest ist, dass nichts in dieser Welt dich wirklich glücklich machen kann.

Genauso ist es mit dem Frieden. Nichts auf der Welt kann uns wahren und bleibenden Frieden geben. Die Idee, dass wir Frieden bewahren und uns beschützen können, indem wir endlos unsere militärische Stärke multiplizieren und damit eine Macht aufbauen, die sich auf den Besitz von destruktiven Waffen stützt, ist eine große Illusion.

Zeitweilig mag dieses sogenannte Gleichgewicht des Schreckens funktionieren, aber im Grunde genommen und im Endeffekt ist es eine Dummheit.

Wie können wir dann Frieden haben? – Es gibt nur eine Möglichkeit, in wahrem, bleibendem Frieden zu leben und zwar, wenn wir absolute Macht und Kraft haben, eine Macht, die uns nicht genommen werden kann.

Nur wenn wir absolute Macht und Kraft haben, werden wir Sicherheit und Frieden haben.

Die Politiker reden viel über den Frieden, und doch gibt es immer mehr Konflikte und Kriege auf dieser Welt.

Waffen und Kriege können keinen Frieden schaffen. Sicherheit und Frieden können nur durch das kommen und garantiert werden, was unendliche Macht ist, was absolute Schönheit und Liebe ist, was unzerstörbares Leben ist.

Ewig unbesiegbar kannst du nur durch die Erfahrung der Wahrheit werden.

Welchen Zweck haben diese Waffen, die den Frieden sichern sollen? – Können sie Weizen oder Milch produzieren, Bäume, Früchte oder frische Luft? – Nein, sie sind zu nichts anderem nütze als zu zerstören, entweder Leben oder Material.

Können Waffen auch einen Menschen der Gotterfahrung töten? – Nicht alle Waffen der Welt können einen Menschen der Gotterfahrung töten.


Wer ist Swami Omkarananda?

Wenn du denkst, der Swami sei dieser Körper, der hier sitzt und durch den er spricht, dann irrst du und lässt dich vom Anschein irreführen. Niemand kann Swami Omkarananda töten. Du kannst meine Erscheinung, diesen Körper hier, zerstören, aber dadurch verändert sich nichts in mir selbst. Wenn du meinen Körper zerstörst, hast du mein wirkliches Sein nicht einmal berührt – den Gott in mir, die Seele in mir, die Weisheit in mir.

Das Leben in mir kann weder von einer Krankheit befallen noch durch den Tod meines Körpers beeinträchtigt werden. Ich habe alles, was Gott hat. Ich bin unendliche Vollkommenheit. Selbst wenn mein Körper altert und stirbt, bleibt die Wahrheit bestehen, dass ich alles habe, was Gott hat. Er ist immer bei mir.

Ich bin Er. Er ist ich.

Ich bin nicht dieser Körper. Du kannst diesen Körper hier schlagen und zerstören, aber du kannst nicht mich selbst berühren. Ich werde dich immer noch sehen. Das, was mich befähigt, durch die körperlichen Augen zu sehen, kann nicht durch eine Krankheit oder durch Waffen zerstört werden, auch nicht durch das Schicksal.

Ich habe kein Schicksal. Ich bin vollkommen. Ich bin nie geboren. Ich war hier, bevor die Welt entstand, bevor Europa existierte. Und ich werde hier sein, wenn die Welt nicht mehr existiert. Ich bin ewig. Ich war hier, ich bin hier und werde hier sein. Ich bin auch überall, zu allen Zeiten. Wo immer Gott ist, bin ich. Wo immer ich bin, ist Gott. Es ist ein einziges Wesen.

Ich sage „Ich und Gott“, weil ein Zentrum endlicher Erfahrung in einem physischen Körper in Erscheinung getreten ist, und das erzeugt den Unterschied. Doch ist dieser Unterschied zwischen Gott und mir nur eine Erscheinung, keine Wirklichkeit. Es ist eine Art, sich auszudrücken, so wie man zum Beispiel „meine Hand“ sagt.

Deine Hand und du sind nicht zwei verschiedene Dinge. Die Feststellung ist hier eine theoretische Unterscheidung, eine mentale Differenzierung, eine pragmatische Differenzierung, kein wirklicher Unterschied. Auch zwischen dir und Gott gibt es keinen Unterschied. Du bist die unendliche Vollkommenheit Gottes, wenn du deinem begrenzten individuellen Bewusstsein erlaubst, sich im unendlichen Bewusstsein Gottes aufzulösen. Dann bist du unendliche Vollkommenheit, unendliche Schönheit, eine Form des unendlichen Lichts.


Gedanken

Die Welt ist eine Manifestation des kreativen Gedankens Gottes. Gedanke ist alles.

Die Art und Weise deiner Meditation beruht auf dem Wesen deiner Gedanken. Weil das Universum vom kreativen Geist und Bewusstsein Gottes erschaffen wurde, besteht alles, was wir sehen, wahrnehmen und erfahren aus Gedanken. Bewusstsein, Gedanke, Gefühl – diese drei sind eins.

Das Denken ist von umfassender Bedeutung. Seine Begrenzungen haben uns gefangen genommen und uns von Gott abgeschnitten. Indem wir das Denken erheben, kann es uns wieder mit Gott vereinigen. Da Denken von größter Wichtigkeit ist, sollte unser gesamtes Denken während wir meditieren vollständig im Nachdenken über das Wesen der Höchsten Wirklichkeit aufgehen.

Was immer in deinen Gedanken und Gefühlen während der Meditation geschieht, entscheidet darüber, ob du gut oder schlecht bist, ob du Gott oder die Welt liebst, ob du Kontakt zu Gott hast oder ob du von den begrenzenden, weltlichen und dunkleren Kräften angezogen wirst. Während deiner Meditation sollten Gefühle in Liebe zu Gott erblühen.


Das Unbegrenzte –

Mittel zur Befreiung

Wenn wir denken, dass Gott Licht ist, dann wird dieser innere Beobachter vor unseren Augen als Licht erscheinen.

Dieser innere Beobachter ist ständig da, alle vierundzwanzig Stunden, und nicht nur in uns, sondern auch außerhalb von uns, in jedem Lebewesen, in jedem Baum, in jedem Stein, im Wasser, im Raum, in der Luft – überall, in allem und jedem.

Als der unendliche Zeuge ohne Anfang und Ende beobachtet Er alles vom Zentrum eines jeden Wesens oder Dinges aus.

Die wahren Gottsucher bauen höchst intime Beziehungen zu Gott auf, und Gott wird zu einem unersetzlichen Teil ihres täglichen Lebens. Sie sind völlig vom Bewusstsein Gottes dominiert, von den verschiedenen Aspekten Gottes als Person.

Das menschliche Wesen ist eine Persönlichkeit, und die Umstände des Menschseins stellen vom Standpunkt der absoluten Wahrheit eine Unvollkommenheit dar. Diese Unvollkommenheit kann nicht korrigiert werden, ohne dass dazu Mittel eingesetzt werden, die selbst begrenzt sind.

Dies bezieht sich sowohl auf das Objekt der Verehrung als auch auf die Methoden und Mittel, die dabei eingesetzt werden. Was ist das Objekt der Verehrung? – Die höchste Gottheit!

Diese ist das einzig Verehrungswürdige, das höchst Vortreffliche, wie unsichtbar und wenig offenkundig Sie für das menschliche Auge auch sein mag. Nichts sonst im Leben ist wirklich vortrefflich und verehrungswürdig wie die Gottheit.

Im Gayatri-Mantra wird das Göttliche als das Objekt höchsten Wertes beschrieben, und als unübertrefflich in seinen Vorzügen dargestellt.

Nichts kann es geben, was man mit dem Göttlichen, dessen Wesen Unendlichkeit ist, vergleichen könnte. Nichts ist größer als das Unendliche. Sein eigentliches Wesen ist das Absolute, und es gibt nur ein Absolutes, eine Unendlichkeit. Eine zweite Unendlichkeit kann es nicht geben, außer vielleicht in den müßigen Spekulationen des menschlichen Intellekts.

Das, was höchst vortrefflich ist, was Verehrung verdient, über das man meditieren soll, das um der höchsten Erfüllung willen gesucht werden soll – das ist das Göttliche.

Das Leben verliert seine Begrenzungen und dehnt sich durch die Verehrung dessen, was das Höchste ist, ins Unbegrenzte aus. Im Unbegrenzten allein sind Vollkommenheit und Fülle.

Nichts, was wir wahrnehmen, ist unbegrenzt. Alles in der Schöpfung ist begrenzt. Auch die Schöpfung selbst ist begrenzt. Sie hat einen Anfang und ein Ende; und alles, was Anfang und Ende hat, ist begrenzt, wie ausgedehnt es auch räumlich und zeitlich sein mag.

Der ernsthafte Sucher nach der Wahrheit macht aus diesem unbegrenzten Wesen einen persönlichen Freund, eine Persönlichkeit, eine Gegenwart, mit der er sprechen kann, eine Gegenwart, mit der er jede Art von Beziehung aufnehmen kann – der er vielleicht als Vater, Mutter, Freund begegnen kann. Deshalb finden wir in der Geschichte der spirituellen Erfahrung viele Geschichten, in denen Gott seinen Verehrern in allen möglichen Gestalten erschienen ist und praktisch mit ihnen gelebt hat.

Das Unbegrenzte nimmt eine begrenzte Form an und zwar als freiwillige Antwort auf die Hingabe im Herzen seines Verehrers. Die unbeschreibliche, unendliche Wirklichkeit zeigt sich der Erfahrung des suchenden Individuums in einer begrenzten Form, in einer menschlichen Form und auf viele andere Weisen.

Das Göttliche kann sich in unzähligen verschiedenen Formen in unserem Leben manifestieren – als tiefer Friede, als Erleuchtung, als Freude, als Weisheit, als all diese zusammen oder in Gestalt unseres persönlichen Freundes. Gleichzeitig aber verbleibt die Gottheit in ihrer Unendlichkeit, in iIhrem unpersönlichen Aspekt.

In der Gestalt einer Person führt das Göttliche das suchende Individuum aus allen Begrenzungen heraus, hinein in sein eigenes, unbegrenztes Sein und gewährt schließlich dem Individuum die Erfahrung der Einheit mit Ihm.

Jeder Mensch birgt in sich einen Ort der Befreiung, in den kein Kummer einzudringen vermag. Es ist das Zentrum, das jedem Freiheit von aller Begrenzung gewährt. Wer könnte atmen und leben, wenn dieses höchste Zentrum der Freude nicht in ihm wäre?

Können wir leben ohne das, was Existenz, Wahrheit, Gott, Urquell der Freude, des Friedens, der Erkenntnis und Feiheit, allen Lichts und aller Glückseligkeit ist? – Dies sollten wir erkennen und verstehen lernen. Der Kontakt mit der Wahrheit sollte bewusst hergestellt werden, nicht nur unbewusst im tiefen Schlaf!

Die im tiefen Schlaf stattfindende willkommene Befreiung von allen Schmerzen, Sorgen und Begrenzungen ist jedoch nicht begehrenswert, denn der Schlafzustand ist durch totale Unbewusstheit gekennzeichnet. Im tiefen Schlaf ist man wie ein Mensch, der reich und glücklich ist, ohne es zu wissen. Man ist deshalb nicht wirklich reich und glücklich, weil man ja nicht weiß, dass man es ist.

Unwissenheit ist Tod; Erkenntnis ist Leben.

Abgesehen von diesem wesentlichen Mangel, der in der Unbewusstheit liegt, ist der Schlafzustand vergänglich.

Schwerer jedoch wiegt, dass Friede, Glück und Stärke, die der Tiefschlafzustand mit sich bringt, nur Aufschub, jedoch keine echte Lösung unserer Sorgen und Probleme bewirkt.

Sobald wir erwachen, bedrängen uns alle Kümmernisse und Probleme von Neuem.

Nicht der Schlaf, nicht irgendein unbewusster Zustand, weder eine Art Sucht, Betäubung noch der Tod, sondern tiefinniges Verstehen, Erkenntnis, Erleuchtung und Erfahrung sind die Antwort auf das Problem des Lebens.

Der Schlaf ist nicht dazu da, um Probleme zu lösen oder den Anforderungen des Lebens und der Welt, die uns von der höchsten Wahrheit gestellt werden, auszuweichen.Er ist nicht dazu da, bleibende Erkenntnis, Freiheit, Frieden, Glück und Vollkommenheit zu gewähren.

Die Natur versetzt den Menschen in den Schlafzustand, um ihn näher an das innere Sein heranzuholen und die Kräfte, die Harmonie und die Gesundheit des Organismus zu erneuern.

Das ursprüngliche, reine Sein ist die Quelle allen Friedens, aller Freude, aller Kraft und Erfüllung.

Der Weise lebt von innen heraus. Er lebt aus den Tiefen des Friedens, der Freude, der Erleuchtung.

Andere lassen sich an der Oberfläche des Lebens dahintreiben und verstricken sich in die Wirren und den Kreislauf der psychologischen Erfahrungswelt, in der ein Problem dem nächsten die Hand reicht. Sie lassen sich von ihrem seelischen Erleben beherrschen, anstatt sich darüber zu erheben.

Die Antwort auf das Rätsel des Lebens liegt in der Erleuchtung, und Erleuchtung liegt innerhalb der Reichweite eines jeden Menschen, der sich darum bemüht, genauso wie das Glück des tiefen Schlafes für jeden Menschen erreichbar ist.

Erleuchtung ist unbegrenzter Friede, endlose Kraft, Freude und Gesegnetsein. Sie ist die Quelle aller wertvollsten und dauerhaften Werke, allen schöpferischen und aufbauenden Wirkens, das der Menschheit über Jahrtausende hinweg Bereicherung schenkt.

In dir liegt der unbedingte und unendliche Friede, das unendliche Glück verborgen. In dir lebt die unendliche Wirklichkeit. In dir ist das höchste Reich göttlichen Seins und Bewusstseins. Es befreit dich von allen menschlichen Bedingungen und gießt dir alle erdenklichen göttlichen Eigenschaften, Fähigkeiten und Erfahrungen ein.

Ein Schlafender gelangt unbewusst in diese zentrale Welt des Friedens und der Freude, während der Mensch der Kontemplation bewusst in diese eintritt, um dann, inmitten aller Tätigkeit, in jenem Frieden zu leben, der alles Verstehen übersteigt, und in jener Freiheit, die grenzenlos ist.

Außer in diesem göttlichen Bereich der zentralen Existenz im Inneren, gibt es keine unbegrenzte Freiheit, keine von allem unabhängige Freude, keine alles besiegende Macht, keinen immerwährenden Frieden und keine alles zur Erfüllung bringende Vollkommenheit.

Im Wissen darum, dass es sich um den Schatz aller Schätze handelt, gehen einige ganz bewusst in die unendliche schöpferische Stille, Schönheit und Freude ein, und zwar durch kontemplative Zustände, innige Hingabe an Gott oder durch Weisheit, Liebe, Güte und Opferbereitschaft, welche schließlich eine innere Umwandlung zustande bringen.

Wieder andere gelangen ans gleiche Ziel, indem sie ihr Bewusstsein vom Gewahrsein aller Begrenzungen freimachen und es in der Wirklichkeit ihres inneren Seins aufgehen lassen, genauso wie der Schlaf das Bewusstsein des Schläfers vom Gewahrsein des Körpers und des äußeren Lebens befreit, um es in der Stille des inneren Seins verweilen zu lassen.

Überall ist Licht

Wenn ein Raum von innen her erleuchtet ist, doch weder Türen noch Fenster hat, sondern nur einen Lichtschacht an der Decke, findet das Licht aus dem Inneren durch diese Öffnung einen Weg, sich mit dem Licht und Sonnenschein draußen zu vereinen. Wenn man nun diese Öffnung mit einem Blatt verdeckt, schneidet man das Licht, das drinnen leuchtet, von der Lichtflut draußen ab. – Der Mensch ist diesem Raum vergleichbar.

In seinem Inneren befindet sich das Licht des göttlichen Bewusstseins. Der Verbindungsweg hin zu diesem Licht geht durch das Herz oder das innere Erkennen. Hier vereinigt sich das Licht im Inneren mit dem unendlichen Gotteslicht, das überall zugegen ist.

Wenn nun auf diesem Herzen auch nur ein einziges Blatt weltlicher Gefühle liegt, was geschieht? – Es errichtet eine Barriere zwischen dem Herzen und dem Göttlichen. Lass deshalb alle Gedanken und Gefühle fallen, die sich nicht auf Gott beziehen.

Der geistige Mensch oder der Gottsucher, der sich auf die Suche nach der Erkenntnis Gottes macht, ist keineswegs ein Versager im Alltagsleben, sondern der produktivste überhaupt. Die größten Errungenschaften verdankt die Menschheit ihren großen Geistesmenschen.

Wenn wir weltliche Gedanken und Gefühle aufgeben, gewinnen wir an Kraft und Intelligenz und werden übermenschlich. Sobald sich jedoch auch nur ein dünnes Blatt weltlicher Gefühle und Gedanken dazwischen legt, begrenzt es uns, macht es uns schwach und schafft Probleme, da es uns von der lebendigen Verbindung mit der endlosen Gnade, Kraft und Schönheit des Göttlichen abschneidet.

Das Innerste des Lebens verlangt nach göttlicher Vollkommenheit

Die Stimme des Göttlichen in uns sagt: „Alle Zeit gehört Mir. Die Vollkommenheit des Unendlichen, des Vaters im Himmel, all die Schätze des göttlichen Bewusstseins gehören Mir.“

Wer sein ganzes Leben in Liebe, Wahrheit, Güte verbringt und sich Tag und Nacht nach Gottes Gegenwart sehnt, wird in vollkommenem Frieden und Furchtlosigkeit leben. All seine Arbeit auf dieser Erde wird hundertfältige Frucht tragen.

Stecke dir ein hohes Ziel, dann wirst du wenigstens die Hälfte davon erreichen

Die Schönheit verblüht und die Jugend vergeht. Das Leben schwindet von Minute zu Minute. Aus diesem Grund besteht für uns die äußerste Dringlichkeit, uns auf dem Weg zur Erfahrung göttlicher Vollkommenheit voranzukämpfen.

Im Herzen wollen wir die höchsten geistigen Gefühle erwecken. Unser Geist soll die Form der Schönheit, des Lichts und der Liebe annehmen.

Der höchste Wert, der erhabenste Wert, das Einzige, was uns zu retten vermag, der einzige Reichtum, das einzige Leben, die einzige Wahrheit – das ist Gott.

Verliere nie den Halt am Göttlichen, auch nicht für einen Augenblick! Lebe nicht in der Sündhaftigkeit deiner persönlichen Gefühle, Gedanken und Pläne, sondern strebe nach Hingabe, Glauben, Licht, Güte und Geistigkeit.

Wenn du wirkliches Glück, wahren Frieden und Erfolg im Leben haben möchtest, dann musst du das Göttliche berühren und kompromisslos in ihm verwurzelt bleiben. Alles übrige wird dir hinzugegeben werden. Alles rückt an seinen rechten Platz und nichts wird dir fehlen.Du wirst jetzt und für immer gesegnet sein.

Durch Mangel an Ernsthaftigkeit vergeudest du dein Leben. Darum sei ernst und aufrichtig und halte dich mit deinem ganzen Herzen am Göttlichen fest. Das Sichklammern an Gott ist dein größter Schatz und wird dich mit dem wirklichen Leben, dem wahren Licht, dem wahren Frieden und Glück beschenken.

Das Gute, das du tust, bringt dich dem Herzen Gottes näher. Es ist nicht etwas, was du persönlich für dich behalten und genießen könntest.

Solltest du jedoch alles, was du tust und erreichst, für dich persönlich in Anspruch nehmen wollen, bist du in der Welt der Illusion, der Täuschung und des Todes, der Probleme und Sorgen gefangen.

Betrachte deshalb alles um dich her als ein Mittel, um ins Reich des wahren Lebens zu gelangen.

Wahres Glück ist göttlichen Ursprungs

Eine Psychologie des menschlichen Glücks würde mit vollem Recht die unendliche, vollkommen unabhängige Seligkeit als das letzte Ziel menschlichen Strebens nach Glück erkennen.

Vollkommenes Glück ist eine wesentliche Eigenschaft der in uns verborgenen Gottheit.

Der Mensch, so wie er beschaffen ist, fühlt sich in seinem Zustand nicht recht wohl. Er ist durch Unruhe gekennzeichnet, während Frieden und Glück Merkmale seines inneren göttlichen Bewusstseins sind.

Glück ist Gottes Wesen. Der Mensch muss zu Gott gehen, will er dieses Glück erlangen.

Die menschliche Erfahrung zeigt das immer wieder. Wie könnten sonst so häufig Menschen, denen nichts mangelt, die Geld, Ruhm und Namen haben, sich selbst das Leben nehmen? – Denken wir an die zahlreichen Künstler, die Selbstmord begingen! Wonach haben sie in ihrem Leben verlangt? – Vielleicht ist man geneigt zu sagen: „Sie haben zu hohe Anforderungen an ihre künstlerische Vollkommenheit gestellt und das selbstgesetzte Ziel nicht erreicht. Sie suchten mit äußerlichen Mitteln dort nach Vollkommenheit, wo sie nicht zu haben ist.“

Was sie letztlich erstrebten, war das Glück, das sie zu erreichen glaubten, indem sie ihre Begabungen entfalteten und somit Berühmtheit als Künstler erlangen konnten. Sie suchten das Glück, doch wie aus ihren Lebensgeschichten hervorgeht, haben sie es nicht gefunden. Sie fanden nur vergängliche Freuden, Sensation und Nervenkitzel, und schließlich entglitten ihnen auch diese, denn alles Vergnügen hat seiner Natur nach einmal ein Ende. Man kann sich darauf nicht stützen, sonst ist man verlassen.

Darum sagen Weisheit und höhere Vernunft – die Stimme des Göttlichen in uns: „Etwas anderes ist die Quelle unseres wahren und dauernden Glücks.“

Jeden Tag wächst das Wissen, das der Menschheit zur Verfügung steht. Über die Welt und die Natur und über das unermessliche Universum wissen wir schon erstaunlich viel, jedenfalls weitaus mehr, als unsere Vorfahren wussten.

Doch wir sollten unseren Wissensdrang in rechte Bahnen lenken, indem wir Gott, das Sein unseres Seins, zum Gegenstand unseres Nachforschens und Erkennens machen.

Der beste und einzige Weg, um alles zu erkennen, besteht darin, Gott zu erkennen.

Erkennen wir Ihn, erkennen wir auch alles übrige. Indem wir danach streben, unser tiefstes Inneres zu verstehen, werden wir auch wissen, wie wir unsere Begrenzungen und Schwächen einsehen, zugeben und ablegen können.

Als Folge davon beginnt ein beständiger Kampf, ein Ringen, um über unsere engen Grenzen hinauszugelangen und jene Hindernisse zu überwinden, die es uns bisher unmöglich gemacht haben, unser wahres Glück und unseren wahren Frieden zu finden.

Alle Menschen suchen nach Glück und Kraft, nach Fülle und Erkenntnis, nach Schönheit, Harmonie und immerwährendem Leben. Fragen wir nach der Ursache für diese Tendenzen, dann lautet die Antwort:

Ein göttliches Bewusstsein, eine Wirklichkeit, die unbegrenzt ist, die unendlich ist, lebt in uns und möchte ihre Eigenschaften durch uns offenbaren.

Dieses göttliche Bewusstsein ist der Atem unseres Atems. Es möchte uns Menschen eine vollständige Erfahrung seines Wesens zuteil werden lassen. Sein Wesen ist unbegrenztes Glück, vollkommener Frieden, absolute Kraft, unendliche Freiheit, unendliches Licht, Bewusstsein, Erkenntnis und unbegrenztes, raum- und zeitloses ewiges Leben.

Weil das göttliche Bewusstsein, ohne das wir nichts sind, ohne das wir gar nicht vorhanden wären, die Fülle unermesslichen Reichtums ist, besteht in uns Menschen die Tendenz, so viel Reichtum wie möglich zu erwerben und zu besitzen.

Diese Tendenz ist für den Menschen ein gewaltiger Ansporn zur Aktivität. Nationen streben danach, sich immer weitere Gebiete einzuverleiben.

Die Tendenz, mehr zu sein und mehr zu besitzen, ist überall zu sehen. Wenn jemand mit stark entwickeltem Erwerbstrieb zwei Häuser besitzt, versucht er noch eines dazu zu kaufen und dann noch eines. Wenn er ein Auto hat, wünscht er sich ein neueres und schickeres Modell.

Diese Art des Habenwollens ist auf allen möglichen Lebensgebieten vorhanden. Wenn sich diese Tendenz allein im Materiellen erschöpft, läuft der Mensch Gefahr, in einer Sackgasse zu enden.

Ein wenig Unterscheidungskraft, Weisheit und Güte, ein wenig höhere Empfindungsfähigkeit und Gefühl für die höhere Wirklichkeit im Menschen brächte ihn bald zu der Einsicht: „Ein Haus ist genug, ein Auto ist genug. Ich habe alles, was ich zum Leben brauche.”

Jeder Mensch besitzt mehr oder weniger Liebe, Güte und Weisheit, doch sind diese zumeist ziemlich begrenzt.

Diese Grenzen lassen sich erweitern.

Jeder hat schon ein vages Verlangen nach Vollkommenheit, das allerdings auf höhere Erkenntnis und höheres Wissen ausgerichtet werden sollte. Die Tendenz nach immer mehr Besitz und besseren Umständen lässt sich dazu einsetzten, moralische Qualitäten, seelische Vorzüge, inneres Bewusstsein zu entwickeln.

Eine Entfaltung von Liebe, Weisheit und aller anderen höheren Fähigkeiten, die in ihm angelegt sind, wäre das Beste für ihn.

Wenn jemand stirbt, das heißt den stofflichen Körper ablegt, folgt ihm keines seiner Häuser und Autos nach, doch wird alles, was er an Liebe und Erkenntnis, Hingabe, Güte und Glauben erworben hat, ihn begleiten. Durch sie wird er wahrhaft reich. Äußerer Reichtum sollte daher, wenn vorhanden, als Grundlage für den Erwerb inneren Reichtums eingesetzt werden.

Auf der Suche nach Frieden und Glück begeht der Mensch hundert Fehler. Er ist ruhelos und denkt, eine Weltreise könne ihn zu sich selbst kommen lassen. Vielleicht macht ihm die Reise auch ein wenig Freude, doch bald ist diese wieder vorbei, er ist unglücklich wie zuvor, und die Jagd nach dem Glück beginnt von neuem. Er möchte ausspannen und fährt in die Berge. Er meint, dort sei der Friede am ehesten zu finden. Doch die Ruhelosigkeit kommt mit.

In dieser Welt von Zeit und Raum ist Friede schwer zu erlangen, die Suche nach Frieden in der Außenwelt ist eine Selbsttäuschung.

Nur indem wir in einen Bewusstseinszustand gelangen, in dem wir Gott als die einzige Wirklichkeit erkennen und erfahren, können wir vollkommenen Frieden finden.

Gott allein ist wahrer Frieden. Ihn zu berühren und zu erfahren ist das Ziel des Lebens und der Weg zu wahrem Frieden. Unser ganzes inneres und äußeres Leben wird von Frieden erfüllt sein, wenn es uns gelingt, unsere zentralen Triebe in ein einziges Streben nach der Erfahrung Gottes zu bündeln. Es hebt unser Leben auf eine Stufe, die uns neue Würde verleiht und uns mit Kraft und Licht erfüllt.

Unser Streben nach Überschreitung der engen Grenzen, in die unser Erdenleben gefasst ist, und unsere emotionalen und mentalen Behinderungen zu überwinden, das Streben nach wirklichem und wahrem Wachstum, eine Entfaltung der Fähigkeiten von Herz und Geist, Willen und Seele – ein solches Streben bedeutet, den Frieden und das Glück Gottes zum bleibenden und normalen Kennzeichen unseres täglichen Lebens zu machen.

Ein erster Schritt dazu ist, dass wir die Ursachen unserer Fehler und unserer Unwissenheit, unserer Begrenzungen und unseres Unglücklichseins zu beseitigen versuchen.

Ein entschlossenes Ringen um höhere Stufen des inneren Bewusstseins und der Evolution ist damit verbunden sowie das Streben, das Antlitz Gottes zu sehen und in seiner Vollkommenheit zu leben, die Maske äußerer menschlicher Bedingtheiten zu durchschauen und uns als das zu erkennen, was wir in Wirklichkeit sind: Töchter und Söhne Gottes.

Endlose Möglichkeiten

Das Leben auf Erden ist der Bereich, in dem sich die Eigenschaften des Göttlichen aus der Grobstofflichkeit und Verhüllung der Materie befreien wollen, es ist ein Feld des Kampfes um Erfahrung und Manifestation der Schätze der Liebe, des Glücks und der Schönheit, die dem Atem Gottes in uns innewohnen.

Was immer die Menschen in der Welt unternehmen, ist eigentlich und letztlich darauf ausgerichtet, Glück, Liebe und Erfüllung zu verwirklichen. Doch wenden die Menschen verkehrte Mittel an, gehen verkehrte Wege und suchen ihr Glück dort, wo es nicht zu finden ist.

Wahres Glück und wahre Schönheit können wir nur durch die Manifestation jener Eigenschaften erleben, die in unserem innersten göttlichen Wesen verborgen sind.

Äußerlich betrachtet stehen die Pflanzen still und reglos da, doch wachsen sie dennoch und streben nach oben. Ein dynamisches Leben beseelt sie. Ihre unsichtbaren Energien sind nimmermüde am Werk, Blätter und Blüten zu entfalten und Früchte reifen zu lassen. Die in der Pflanze wirksamen Kräfte bringen Farbe, Duft, Form und alle ihre speziellen Eigenschaften hervor.

Das gilt auch für unser inneres Wesen. Ganz unbemerkt und langsam, doch unaufhörlich ist es in Bewegung und lebenslang rastlos tätig. Sogar während der Körper ruht und im Schlaf stillgelegt ist, herrscht rege Aktivität in ihm.

Das innere Wesen möchte sich ausdrücken, indem es sein Wesen im äußeren Leben entfaltet. Ein unvergängliches Prinzip lebt in unserem vergänglichen Körper.

In der heutigen Zeit können die Wissenschaften bewundernswerte und fantastische Fortschritte verzeichnen, während es der Menschheit im Allgemeinen immer noch an der Erkenntnis des inneren Bewusstseins fehlt.

Philosophie und Psychologie sind entstanden, um die Natur und die maßgebenden Prinzipien innerhalb der menschlichen Konstitution zu erforschen, um immer tiefer in die psychologische Beschaffenheit des Menschen vorzudringen und möglichst den Mittelpunkt allen Bewusstseins zu entdecken.

Doch leider haben diese Wissenschaften dem menschlichen Leben im Allgemeinen nicht den lebendigen Impuls eingehaucht, wie es ein Leben im göttlichen Bewusstsein zu tun vermag. Die wahre Wissenschaft des Lebens besteht in der tiefsten Erkenntnis dessen, was das Höchste und Größte im Menschen ist. Wahre Wissenschaft hält kompromisslos an der inneren Essenz des Menschen fest und versetzt ihn in die Lage, den unendlichen Frieden ins tägliche Leben hinein zutragen sowie große, von allem unabhängige Freude zu erleben.

Das Leben gelangt nur dann zu seiner tiefsten Erfüllung, wenn es aus den Quellen der höchsten göttlichen Erkenntnis, dem Gottbewusstsein, gespeist wird.

Die Erkenntnis des höchsten Prinzips im innersten Herzen muss nicht erst von außen an den Menschen herangetragen werden.

Der Mensch wird im Lauf seiner geistigen Entwicklung früher oder später von selbst darauf stoßen.

Das innere Selbst, die Wahrheit oder das göttliche Prinzip im Menschen verfügt über eigene Mittel und Wege, sich bemerkbar zu machen. Selbst überzeugte Atheisten und Agnostiker erlebten Augenblicke, in denen sie die Berührung des Göttlichen spüren, was ihrer ablehnenden Haltung dann ein für allemal ein Ende bereitete.

Das Göttliche sieht alles und ist voller Dynamik. Es kann sich entsprechend unserer Bereitschaft jederzeit zum Ausdruck bringen.

Das Erleben des großen Friedens und der unbeschreiblichen Schönheit der göttlichen Gegenwart ist eng verknüpft mit dem Menschsein an sich.

Das ganze Leben stellt eine Vorbereitung auf die Begegnung mit Gott dar.

Das Erleben des Göttlichen, der Erwerb von Weisheit und deren Ausdruck hängt weder von Alter oder Geschlecht, noch von Rasse oder Kultur ab. Ob einer reich oder arm ist, spielt hier keine Rolle.

Weisheit, Liebe, Gotterfahrung sind zeitlos universal. Beide – der Ärmste wie auch der Reichste – können von einem Reichtum an Liebe und göttlicher Weisheit erfüllt und somit bereit sein, eine innige, dynamische Erfahrung des Göttlichen zu erlangen.

Die Weisheit kann überall wohnen und Liebe alle Herzen erfüllen.

Weisheit und Liebe stammen aus Gott. Es sind Eigenschaften des Göttlichen.

In Weisheit und Liebe kann sich die ganze Menschheit vereinen. In der Weisheit und in der Liebe wird das Reich Gottes offenbar; durch sie berühren wir eine allwissende Intelligenz und erkennen und erfahren die Gegenwart des Göttlichen.

Die Möglichkeiten des Menschen sind endlos, weil er in seinem innersten Sein die Gegenwart Gottes beherbergt.

Man sagt nicht umsonst, der Mensch sei das Maß aller Dinge.

Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen, umgeben von verschiedenen Hüllen, die sein eigentliches Inneres verbergen. Er kann sich mit dem grobstofflichen Körper identifizieren und in Sorge um dessen Wohl und Wehe aufgehen, wie jedes Tier es tut.

Er kann sich selbstbewusst mit seinem Verstand gleichsetzen, aber auch als Saatkorn des Unendlichen mit dem göttlichen Selbst eins werden.


Gott ist Licht

Gott ist Licht. Was heißt das? – Damit ist das Licht des Bewusstseins, nicht das physikalische Licht gemeint.

Wir reden von Verstandeslicht, aber auch vom Licht des inneren Seins und Bewusstseins. Bewusstseinslicht ist die Kraft, die zu Erkenntnis und Wahrnehmung befähigt, die durch die Augen der Menschen hindurchleuchtet und ihn die Welt sehen lässt.

Das göttliche Licht ist ein Licht jenseits aller Beschreibung.

Man kann zur Not das Sonnenlicht beschreiben, doch nicht das göttliche Licht, das so viel strahlender ist, das leuchtet wie Milliarden Sonnen. Das Wort versagt hier. Das Auge kann es nicht schauen, seine Fähigkeit ist zu begrenzt dafür. Es hält nicht einmal dem Licht der äußeren Sonne stand.

Die Sonne geht auf und unter, doch das Licht Gottes geht weder auf noch unter; es ist ein ewiges Licht, das war, ist und immer sein wird. Es ist grenzenlos. Es verliert nichts von seiner absoluten Fülle, auch wenn es unzählige Welten erschafft. Es bleibt unberührt von allem, was es je erschaffen hat und noch erschaffen wird.

Es gibt unzählige Sonnen in diesem Weltall, die weitaus größer sind als unsere Sonne.

Wie unvorstellbar machtvoll muss dieses göttliche Licht sein, das über eine unermessliche Zeitspanne hinweg unzählige Milliarden solcher Lichtkörper erschaffen und erhalten hat.

Gott ist uns näher als unser Herz und unser eigener Verstand. Er ist das Wunder aller Wunder. Er ist zeitlos, unsterblich, ewig, unzerstörbar und unbeschreiblich. Gott ist die zeitlose Wirklichkeit in uns und überall. Er weiß alles, sieht alles, und alles ist aus Ihm hervorgegangen.

Der Mensch übt seine Funktionen in Zeit und Raum aus. Gott dagegen ist jenseits von Zeit und Raum.

Solange du dir der Zeit und des Raums bewusst bist, stehst du nicht wirklich mit Gott in Verbindung. Versuche deshalb, dein Bewusstsein vom Körper und der Wahrnehmung von Zeit und Raum zu lösen.

Ein Mensch der Gotterfahrung akzeptiert weder seinen Geburtstag noch seinen Todestag. Er ist sich seines Alters und seines Körpers nicht bewusst, und ist deshalb ewig jung, dynamisch und von unerschöpflicher Energie erfüllt.

Wie immer auch unsere psychologischen, moralischen und körperlichen Mängel beschaffen sein mögen, das göttliche Prinzip in uns ist davon nicht betroffen.

Das Reich des Göttlichen zuinnerst bleibt unberührt von menschlichen Fehlern und Begrenzungen.

Deshalb ist es möglich, mit Hilfe der Kraft Gottes in unserem Inneren alle äußeren Schwächen zu überwinden und das Licht Gottes als Frieden, Weisheit, Freude und Liebe in der Welt erstrahlen zu lassen.


Wozu leben wir?

Während uns unsere Sinne von einem materiellen, äußerlichen Universum berichten, ist etwas in uns Zeuge einer anderen Welt innerhalb dieser Welt der Sinne, einer Welt göttlicher Kraft und Vollkommenheit, einer Welt endloser Erkenntnis, Schönheit und Gnade.

Diese göttliche Welt durchdringt das materielle Universum und hat ihr Zentrum in unserem inneren Sein und Wesen. Wir leben in einem wunderbaren Universum endloser Vollkommenheit, deren Name Gott oder die Wahrheit ist; und diese Wahrheit wiederum ist es, die es uns ermöglicht, das stoffliche Universum zu erleben.

Das Leben ist uns gegeben, um zu den Wundern des göttlichen Bewusstseins vorzudringen, um die Furchtlosigkeit, das Glück, den Frieden und die innere Fülle zu erlangen, die dem göttlichen Bewusstsein zu eigen sind.

Wir haben die große Gelegenheit, die Kräfte des höheren Bewusstseins in uns zu erwecken und die Eigenschaften des Göttlichen voll und ganz zur Entfaltung zu bringen.

Nicht, um etwas von der Welt zu empfangen, sind wir hier, sondern um die Welt in Liebe zu überwinden und sie mit dem Licht der höheren Intelligenz in uns zu bereichern, um sie durch unser wunderbares Dienen, Lieben und Opfern in Hingabe und Erkenntnis zu segnen.


Überleben wir den körperlichen Tod?

Wie die Sonne, bevor sie am westlichen Horizont untergeht, schnell noch all ihre Myriaden Strahlen sammelt und dem Blick des Menschen entschwindet, so speichert auch die Seele, bevor sie den Körper verlässt, all ihre Kräfte, Fähigkeiten und inneren Sinneseindrücke, das erworbene Wissen und die Früchte ihrer Taten und wird unsichtbar für menschliche Augen.

Das Überleben des körperlichen Todes ist eine entwicklungsgeschichtliche Notwendigkeit. Es ist eine wissenschaftliche Tatsache und eine nachweisbare geistige Wahrheit. Es sind mehr als genügend Belege dafür vorhanden.

Der Impuls zur individuellen Evolution und die fortschreitende Entfaltung des kosmischen Geistes erfordern es, dass sich das Gesetz vom Überleben des körperlichen Todes und von der Wiedergeburt vollzieht.

Die logische Grundlage der Präexistenz und der Wiederverkörperung behauptet ihren eigenen unanfechtbaren Stand und betont die Unzulänglichkeiten und Begrenzungen der biologischen Vererbungslehre.

Einige der führenden Wissenschaftler und Psychologen setzen stillschweigend das Weiterleben des Menschen nach dem körperlichen Tod voraus.

Die Theorie von einer Seele ohne irgendeine Vergangenheit, aber mit einer Zukunft vor sich, ist unhaltbar.

Würde die Seele zur Zeit der körperlichen Geburt erst erschaffen, müsste sie auch mit der Auflösung des Körpers wieder aufgelöst werden.

Manche lehnen die Theorie der Wiedergeburt mit der Begründung ab, dass wir keine Erinnerung an vergangene Leben haben. Aber dieser Einwand kann durch keine zuverlässigen Gründe gestützt werden. Bei näherer Untersuchung bricht er zusammen. Wir leugnen ja auch nicht die Wirklichkeit unserer Kindheit, nur weil ein guter Teil unserer frühen Kindheitserinnerungen verloren gegangen ist.

Selbst aus unserem gegenwärtigen Leben haben wir so vieles vergessen, dass man fragen muss, welches Recht wir haben, um auf der Erinnerung an das vergangene Dasein zu insistieren?

Das vergangene Leben eines Menschen wird durchaus sichtbar an den Auswirkungen, die die Gedanken, Handlungen und Erfahrungen früherer Leben auf das gegenwärtige haben.

Die bloße Behauptung, dass die Wiedergeburt eine Tatsache sei, wäre Blindheit.

Andererseits wäre noch größere Blindheit zu leugnen, dass der Mensch den körperlichen Tod überlebt.

Die Vernunft verlangt, dass wir ohne angemessene Prüfung kein Phänomen und keine Möglichkeit zurückweisen.

Da das, was gegen die Theorie der Wiedergeburt vorgebracht wird, zu dürftig und anfechtbar ist, sind wir gezwungen, uns mit dem überwältigenden Beweismaterial zu befassen, das wir seit Beginn menschlichen Lebens auf dieser Erde beobachten können und das für die Wiedergeburt spricht.

Diese Fakten müssen wir erforschen, untersuchen, wieder und wieder prüfen, sie richtig verstehen und erklären.

Wenig Wissen ist gefährlich und weckt viele Zweifel.

Mehr Wissen zerstreut Illusionen, erhellt die Denkfähigkeit des Menschen und erleuchtet das Leben.

Selbst bedeutende Wissenschaftler, Psychologen, Mediziner oder Philosophen können für sich Allwissenheit beanspruchen, die sie ermächtigen würden, der Menschheit ihre eigenen Wahrheiten zu diktieren.

Nur jene, die die reichste Erfahrung haben und über tiefste Einblicke in die wirkliche Natur des Lebens und dessen wahre Quellen verfügen, können ein gültiges Urteil fällen über alles, was mit dem Leben zusammenhängt und uns Wahrheiten vermitteln, die annehmbar, allgemein gültig und somit auch vollständig offen sind für eine kritische Überprüfung, Neubewertung und Erforschung im Hinblick auf ihre Resultate und deren Richtigkeit.

Die logische Formulierung des Gesetzes von der Wiedergeburt und der Unsterblichkeit des inneren Bewusstseins in jedem Menschen hilft uns, die moderne Sichtweise über die kurze Lebensspanne einiger Erdenjahre hinaus auszuweiten.

Sie öffnet der modernen Anschauung auch den Blick auf den göttlichen Sinn für die Folge von mehreren Leben, welche die notwendige Zeit für die Entwicklung der Seele zur Verfügung stellt, bis diese ihr Ziel, die ihr innewohnende göttliche Vollkommenheit zu erfahren, erreicht hat.

Der unsterbliche Genius im Leben des Menschen behauptet als sein grundlegendes und höchstes Recht ein metaphysisches Schicksal und ein Bürgerrecht im Königreich des unendlichen göttlichen Bewusstseins.

Dieses göttliche Königreich durchdringt den Bereich der Materie und erhält diese Welt, deren Essenz, Existenz und göttliche Dimension es ist.


Argumente für

Unsterblichkeit und Wiedergeburt

aus verschiedenen Quellen

Wirkliche Wiedergeburt ist das Sterben des Ego in das absolute Bewusstsein. Darin liegt die Bedeutung der Kreuzigung Jesu. Solange die Identifizierung mit dem Körper dauert, wird immer ein Körper vorhanden sein, entweder dieser oder ein anderer, bis die Körpervorstellung sich in ihrer Quelle, dem Selbst, dem absoluten Bewusstsein, auflöst.

Ramana Maharshi

Jenen nenne ich einen Brahmanen, der das Geheimnis von Tod und Wiedergeburt kennt, der frei ist von Anhänglichkeit, der in sich selbst glücklich und erleuchtet ist.

Jenen nenne ich einen Brahmanen, der seine vergangenen Leben kennt, der ans Ende des Rads der Geburten und Tode gelangt ist, der ein Weiser vollkommener Erkenntnis ist und der all das erreicht hat, was es zu erreichen gibt.

Dammapada

Wenn das Konzept von der Unsterblichkeit nicht wahr wäre, dann würde es wenig bedeuten, ob irgendetwas anderes wahr wäre.

Henry T. Buckle

Im Osten betrachtet man das Leben als eine Pilgerreise, und zwar nicht nur von der Wiege bis zum Grab, sondern auch durch weite Zeitläufe, die Millionen und Abermillionen Jahre umfassen, und sich vom Anfang bis zum Ende eines Manvantara – einer Periode der Evolution – erstrecken, und weil der Mensch für ein geistiges Wesen gehalten wird, ist die Kontinuität seiner Existenz ununterbrochen.

Nationen und Zivilisationen erheben sich, werden alt, verfallen und verschwinden; aber das Wesen, der Mensch, lebt weiter, Betrachter all der unzähligen Veränderungen der Umwelt. Ausgehend vom großen Ganzen wie ein Funke vom zentralen Feuer, sammelt es Erfahrung in allen Zeitaltern, unter allen Herrschern, Zivilisationen und Brauchtümern, immer auf der Pilgerschaft zum Schrein, von dem es kam.

Um dies symbolisch darzustellen, ist ganz Indien übersät mit heiligen Schreinen, zu denen die Menschen pilgern.

Echoes from the Orient

Ist nicht der Körper für immer transformiert und fließt er nicht immer im Fluss der Zeit? Und wirft er nicht in unaufhörlicher Veränderung das Alte ab und tauscht es gegen das Neue ein, immer verlierend und neu gewinnend? – Bist du so verrückt zu denken, dass deine arme körperliche Substanz, entweder als Ganzes oder als Teil, für immer bleiben wird wie sie einst war? – Bist du so verrückt zu träumen, dass die Knochen und das Fleisch deiner Jugend jetzt immer noch an dir haften, dass du unverändert erwachsen geworden bist? – Siehst du nicht, wie deine Glieder im Prozess der Veränderung erneuert werden und eine andere Form annehmen?

Doch immer besteht ein Wesen, das in deinem Herzen herrscht und für immer ein Wesen formt: dich, als du selbst! Als dieser Ein-und-Derselbe bleibst du unverändert.

Giordano Bruno

Der Mensch hat eine Seele, die von einem Leben zum nächsten geht, wie ein Wanderer von einem Wirtshaus zum nächsten, bis sie zuletzt im Himmel landet.

Aber nicht eher wird sie den Himmel in Wirklichkeit erreichen, als dass sie den Himmel im eigenen Herzen errichtet hat.

Wie leicht ist es, an die Seelenwanderung zu glauben! Die Seele hat sich durch das sich entwickelnde Leben langsam und schrittweise eine Form aufgebaut, in der sie sich zeigen kann.

Der unvollkommene Strahl zeigt sich im Tier, der höher entwickelte im Menschen; immer der gleiche Strahl, nur mit Zusätzlichem versehen.

Es ist eine Evolution der Seele, die sich in einer Evolution des Körpers zeigt.

Wir sind Produkte einer Evolution nicht unserer Körper, sondern unserer Seelen.

Als unsere Körper langsam dafür geeignet wurden, das größere Leben zu inkarnieren, wurde Leben von oben hinzugefügt. Das ist ein universaler Gedanke, der sich jedem aufdrängt, der mit der Natur lebt.

Was ist schon typisch östlich an dem Gedanken eines Lebens vor diesem Leben?

Die ganze Welt weiß auf natürliche Weise, dass unser Leben nicht erst mit dieser Geburt begann. Die Menschen haben das immer gewusst, solange, bis man dieses Wissen in ihnen gewaltsam zerstört hat.

Aber sie wissen es immer noch; die Wahrheit stirbt nicht! Sie wird sich wieder erheben – ja, sie muss sich wieder erheben und die Grabsteine sprengen, die man über ihr errichtet hat, um sie zu unterdrücken.

Fielding Hall

Ich vermute, dass der Lohn der Tugend in einem Leben jeweils gerade die Fähigkeit ist, ein neues Leben zu beginnen, in dem man als eine Art höher entwickeltes Baby wieder geboren wird.

Auf diese Weise mögen wir, ausgehend von Unschuld über Verbrechen, Strafe, Reue, Tugend wieder zur Unschuld zurückkehren, bis wir die höchste Höhe erklommen haben, auf welche die Tugendhaftigkeit uns tragen kann.

Auch wenn der Weg lang ist, kann er nicht mühsamer sein als ein einzelnes Leben. Denn mit dem Tod lassen wir Erinnerung, Alter und Müdigkeit hinter uns.

Wir mögen alt sterben, aber wir werden wieder jung geboren. Und der Tod nimmt eine tiefere und gnädigere Bedeutung an, wenn wir ihn als Teil des beständig wiederkehrenden Rhythmus des Fortschritts betrachten – als unvermeidlich, natürlich und so wohltuend wie der Schlaf.

John M. Ellis, Mc Taggart

Es ist ein Geheimnis der Welt, dass alle Dinge fortdauern und nicht sterben, sondern sich nur ein wenig der Sichtbarkeit entziehen und später wiederkehren.

Nichts ist tot! Die Menschen stellen sich tot und ertragen Scheinbeerdigungen und traurige Nachrufe, und dabei stehen sie gesund und wohlbehalten da und schauen – in einer neuen und ungewohnten Verkleidung – aus dem Fenster.

Jesus ist nicht tot; Er ist sehr lebendig. Weder Johannes noch Paulus, Mohammed oder Aristoteles sind tot.

Manchmal denken wir, wir hätten sie alle schon einmal gesehen und könnten mit Leichtigkeit die Namen nennen, die sie jetzt tragen.

Ralph Waldo Emerson

Wir haben uns auf der Erde niedergelassen und den Himmel vergessen. Jene Ewigkeit, die ich in der Natur wahrnehme, sage ich auch für mich voraus.

Wie die Vegetation des vergangenen Jahres, so stirbt auch unser menschliches Leben nur bis hinunter zu den Wurzeln ab und lässt doch in Ewigkeit grüne Blätter sprießen.

Mich deucht, dass der Habicht, der so hoch oben schwebt und so stetig und offensichtlich ohne Anstrengung seine Kreise zieht, diese Kraft in einem früheren Zustand seiner Existenz erworben hat, als er noch als Reptil treu am Boden kroch.

Ich bin mir der Gegenwart und der Kritik eines Teils meiner selbst bewusst, der sozusagen gar nicht Teil meiner selbst ist, sondern ein Zuschauer, der an keiner meiner Erfahrungen teilhat, sondern sie nur zur Kenntnis nimmt, der nicht mehr ich selbst ist als er du selbst ist.

Wenn das Spiel – es mag eine Tragödie sein – vorüber ist, geht der Zuschauer seines Wegs. Für ihn war das Leben nur eine Art Fabel, ein Werk der Vorstellung.

Henry David Thoreau

So sieht der Seher mit klarem Blick, sieht Formen erscheinen und untergehen in der ewigen Runde eines merkwürdigen, mysteriösen Wandels von Geburt zu Tod, von Tod zu Geburt, von der Erde zum Himmel, vom Himmel zur Erde, bis er flüchtige, erhabenere Blicke erhascht von nie zuvor gesehenen Dingen, bis sich seinem staunenden Auge das Universum als unermessliches Rad offenbart, das sich immerzu dreht, im schnellen und reißenden Fluss der Zeit.

Henry Wadsworth Longfellow

Aller Tod in der Natur ist Geburt, und gerade im Sterben erscheint sichtbar die Erhöhung des Lebens.

Es ist kein tötendes Prinzip in der Natur, denn die Natur ist durchaus lauter Leben. Nicht der Tod tötet, sondern das lebendigere Leben, welches, hinter dem alten verborgen, beginnt und sich entwickelt. Tod und Geburt sind bloß das Ringen des Lebens mit sich selbst, um sich stets verklärter und ihm selbst ähnlicher darzustellen.

J. G. Fichte

Die Annahme einer früheren Existenz würde alle Charakterunterschiede am besten erklären: die Ernte einer Saat, die in anderen Verhältnissen ausgesät worden ist und deren Frucht bleibt, obwohl man sich an das Säen nicht mehr erinnert.

Frederic Henry Hedge

Ich starb als Stein und wurde Pflanze.

Ich starb als Pflanze und wurde Tier.

Ich starb als Tier und wurde zum Menschen.

Warum sollte ich mich also fürchten?

Wurde ich jemals geringer durch den Tod?

Einst werde ich als Mensch sterben und werde ein Wesen aus Licht, ein Engel des Traums sein.

Aber mein Weg führt weiter! Alles außer Gott verschwindet.

Ich werde, was niemand je gesehen oder gehört hat.

Ich werde Stern über allen Sternen und strahle über Geburt und Tod.

Djelad eddin Rumi

Nimmer vergeht die Seele; sie tauscht vielmehr die frühere Wohnung mit neuem Sitz und lebt und wirkt in diesem.

Alles wechselt, doch nichts geht unter.

Pythagoras

Die Lehre von der Wiederverkörperung ist weder widersinnig noch unnütz. Zweimal geboren zu werden ist nicht erstaunlicher als einmal.

Auferstehung ist das Ein und Alles der Natur.

Voltaire

Ist dir aufgefallen, dass die Seelenwanderung eine unmittelbare Erklärung und Rechtfertigung des Bösen in der Welt bietet? – Wenn das Schlechte, unter dem wir leiden, das Ergebnis unserer Sünden ist, die wir in unserem vergangenen Leben begangen haben, so können wir es mit Ergebung und der Hoffnung ertragen, dass unsere zukünftigen Leben weniger leidvoll sein werden, wenn wir im jetzigen nach Tugend streben.

William Sommerset Maugham

Die Ursache aller Dinge ist der Geist. Er bringt einen Körper hervor, durch den er seine Wunder vollführt.

Ist der Körper zerstört, schafft sich der Geist einen neuen Körper, der ähnliche oder höhere Eigenschaften hat.

Paracelsus

Es ist ein Gemeinplatz der Metaphysik, dass die Seele immateriell und dass es für das Denken unmöglich ist, einer materiellen Substanz anzugehören.

Das, was unvergänglich ist, ist auch nicht erzeugbar. Folglich existiert die Seele, wenn sie unsterblich ist, vor unserer Geburt.

Und wenn uns diese frühere Existenz nichts angeht, so wird es auch die spätere nicht tun.

Die Metempsychose (Wiedergeburt, Seelenwanderung) ist daher das einzige System dieser Art, dem die Philosophie Beachtung schenken darf.

David Hume

Der alte Mensch in uns soll sterben, damit eine neue Jugend empor keime. Wie aber soll das zugehen? Kann der Mensch in seiner Mutter Leib zurückgehen und neu geboren werden? – Auf diesen Zweifel des alten Nikodemus (Johannes 3,4) kann keine andere Antwort gegeben werden als Palingenese (Wiedergeburt, Reinkarnation).

Nicht Revolution, aber eine glückliche Evolution der in uns schlummernden, sich neu verjüngenden Kräfte.

Was wir „Überleben unser selbst“, also „den Tod“ nennen, ist nur Schlummer zu neuem Erwachen, eine Abspannung des Bogens zu neuem Gebrauche. So ruhet der Acker, damit er desto reicher trage: So erstirbt der Baum im Winter, damit er im Frühling neu sprosse und treibe...

Johann Gottfried Herder

Ohne das Wissen um die Reinkarnation sind echter Glaube und Gottvertrauen nur schwer möglich, da der Mensch Gott als ungerecht empfinden muss, angesichts der Ungleichheiten in den menschlichen Seins- und Lebensbedingungen und seinem Schicksal...

Hermann Bauer

Wenn einer 75 Jahre alt ist, kann er nicht fehlen, dass er mitunter an den Tod denke.

Mich lässt dieser Gedanke in völliger Ruhe, denn ich habe die feste Überzeugung, dass unser Geist ein Wesen ist ganz unzerstörbarer Natur; es ist ein Fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Es ist der Sonne ähnlich, die selbst unsern irdischen Augen unterzugehen scheint, die aber eigentlich nie untergeht, sondern unaufhörlich fortleuchtet.

J. W. von Goethe

Der vollkommen Erleuchtete weiß, dass Leben und Tod den Wellen im Ozean gleichen, die kommen und gehen, und er weiß auch, dass hinter allen Phänomenen etwas liegt, das niemals stirbt, weil es nie geboren wurde.

Daher hat er keine Angst vor dem Tod, weder dem eigenen noch dem anderer. Weiß er doch, dass alles wiedergeboren wird, gemäß seines Karmas.

Philip Kapleau

Die Methode des Selbst, uns zu berufen, besteht darin, uns in eine Krise zu manövrieren, so daß wir gezwungen sind, auf die Botschaft zu hören.

Natürlich kann uns die Tatsache, dass wir durch diesen Prozess geleitet werden, völlig unbewusst sein (und meistens ist es auch so).

Aber für das archetypische Selbst stellt das Leben ganz einfach einen fortlaufenden Initiationsprozess dar, eine andauernde Abfolge von Tod und Wiedergeburt.

Moore/Gillette

Lebe so, wie wenn du nochmals leben könntest - dies ist deine Pflicht. Denn du wirst in jedem Falle nochmals leben! –Der Satz vom Bestehen der Energie fordert die ewige Wiederkehr.

Friedrich Nietzsche

Wenn man einmal den Tod erlebt hat, wie ich es getan habe, dann weiß man im Innersten: es gibt gar keinen Tod. Man geht immer nur weiter von einem zum nächsten - wie man weitergeht von der Grundschule zur Oberschule und dann zur Hochschule.

Raymond A. Moody

Reinkarnation und Karma bilden einen wundervollen, ganz unvergleichlichen Weltenmythos, gegen den wohl jedes andere Dogma kleinlich und borniert erscheinen muss.

Richard Wagner

„Schreibe“, sprach jene Stimme, und der Prophet antwortete: „Für wen?“– Die Stimme sprach: „Für die Toten; für die, die du in der Vorwelt geliebt hast.“

Der Prophet fragte: „Werden sie mich lesen?“ – Die Stimme antwortete: „Ja, denn sie kommen wieder zurück als Nachwelt.“

Sören Kirkegard